Phonologische Bewusstheit - Teilprojekt Empirische Bildungsforschung, Bamberg

Effekte kombinierter musikalischer und phonologischer Frühförderung auf die Entwicklung phonologischer Bewusstheit bei Kindergartenkindern deutscher und nichtdeutscher Herkunftssprache (Verbundvorhaben)

Leitung: Prof. Dr. Cordula Artelt, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Im Verbund mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) und Prof. Dr. Petra Stanat (IQB, Humboldt-Universität zu Berlin)

Laufzeit 1: 1.7.2009 - 30.6.2012, Laufzeit 2: 1.9.2012 - 31.8.2015

Das interdisziplinär angelegte Forschungsvorhaben, das in Kooperation mit Prof. Wolfgang Schneider (Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Psychologie), Prof. Cordula Artelt (Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Empirische Bildungsforschung / Pädagogik) und Prof. Petra Stanat (Humboldt-Universität zu Berlin, Empirische Bildungsforschung / Pädagogik, IQB) durchgeführt wird, baut auf den Hauptergebnissen der ersten Projektphase auf (s. das BMBF-Projekt „Kurz- und langfristige Effekte eines Trainings zur phonologischen Bewusstheit bei Kindergartenkindern deutscher und nichtdeutscher Herkunftssprache“). In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, inwieweit ein inzwischen relativ verbreitetes Programm zur Förderung der phonologischen Bewusstheit und der Buchstaben-Laut-Zuordnung im Kindergarten („Hören, lauschen, lernen“ = HLL 1; Küspert & Schneider, 2008; Buchstaben-Laut-Zuordnungstraining = HLL 2; Plume & Schneider, 2004) dazu geeignet ist, auch bei Kindern mit Migrationsstatus die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb zu schaffen. Während die Effektivität phonologischer Förderprogramme durch eine Vielzahl von internationalen Studien gut belegt ist, blieb lange Zeit offen, ob die phonologische Förderung in der Zweitsprache ebenfalls zu positiven Ergebnissen führt. In der ersten Projektphase der Studie konnte die Wirksamkeit des Trainings der phonologischen Bewusstheit auch für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache nachgewiesen werden.

Das Hauptanliegen der zweiten Projektphase ist es, die Effekte einer Kombination von musikalischer Frühförderung und dem Training der phonologischen Bewusstheit auf die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit bei 4- bis 5-jährigen Kindern zu untersuchen. Hintergrund dazu sind Ergebnisse, die nahelegen, dass musikalische und sprachliche Reize ähnliche Mechanismen der Lautkategorisierung ansprechen und somit auch musikalische Förderung geeignet ist, die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit zu unterstützen (vgl. Degé & Schwarzer, 2011).

Zu diesem Zweck werden zwei Bedingungsvariationen mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die erste Trainingsgruppe wird im vorletzten Kindergartenjahr ein musikalisches Training durchlaufen. Dieses wurde in Anlehnung an das von Degé & Schwarzer (2011) durchgeführte Training auf der Grundlage des Unterrichtswerks zur musikalischen Früherziehung Musik und Tanz für Kinder von Nykrin et al. (2007) entwickelt. Im Anschluss daran wird diese Trainingsgruppe im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung mit dem kombinierten Trainingsprogramm HLL 1 und 2 gefördert. Die zweite Trainingsgruppe wird ebenfalls im letzten Kindergartenjahr mit HLL 1 und 2 gefördert, erhält jedoch kein zusätzliches musikalisches Training. Die Kontrollgruppe durchläuft den regulären Ablauf der teilnehmenden Einrichtungen und wird nicht spezifisch gefördert. Insgesamt werden mit diesem Design fünf verschiedene Fragestellungen verfolgt:

(1)    Es soll global geprüft werden, ob eine Kombination von musikalischer und phonologischer Förderung der einfachen phonologischen Förderung überlegen ist und zu besseren Leistungen bei entsprechenden Posttests führt. Durch Informationen über den Hintergrund der Kinder (z. B. über den Migrations- oder Risikostatus) sollen auch differentielle Aussagen über die Wirksamkeit der Kombinationen ermöglicht werden.

(2)    Die Schulung der Erzieher/innen im Programm HLL 1 und 2 soll zeitlich so gestaltet werden, dass sie bis zur Förderung der eigentlichen Studienteilnehmer schon ein Jahr Erfahrung damit im Kindergartenalltag sammeln können. In der ersten Projektphase hatten sich vor allem erfahrene Erzieher/innen als erfolgreich erwiesen (insbesondere mit Blick auf Kinder mit Migrationshintergrund). Dieses Vorgehen soll auf seine Wirksamkeit und Umsetzbarkeit geprüft werden und würde im Falle des Erfolgs eine praxistaugliche Programmausbildung und -anwendung darstellen.

(3) & (4)   Durch Fragebogenerhebungen sollen Daten von den Erzieherinnen und Erziehern sowie den Eltern der teilnehmenden Kinder gewonnen werden, die eine Analyse des Einflusses von expliziten Förderangeboten in den Einrichtungen und der diagnostischen Kompetenz der Fachkräfte einerseits sowie der Qualität der häuslichen Lernumgebungen andererseits erlauben. Diese Daten können unter anderem dazu genutzt werden, mögliche Interaktionen zwischen dem Programm HLL 1 und 2 und der Qualität der häuslichen und institutionellen Lernumgebungen zu analysieren.

(5)    Letztlich soll durch die Erhebung der allgemeinen Intelligenz, des Wortschatzes, der Grammatikkenntnisse und der Ausgangslagen in der phonologischen Bewusstheit die Relevanz früher Vorläufermerkmale des Schriftspracherwerbs für den Trainingserfolg ausgemacht werden. Dies soll unter besonderer Berücksichtigung der Kinder mit/ohne Migrationshintergrund sowie Muttersprachler mit/ohne Risiko in den Ausgangslagen geschehen.

 

Leitung:

Prof. Dr. Cordula Artelt
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung
Markusplatz 3
D-96045 Bamberg
Tel: 0951/863-2060
Fax: 0951/863-5061
Email: cordula.artelt[at]uni-bamberg.de

Kontakt und wissenschaftliche Mitarbeit:

Dr. Kristine Blatter
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung
Markusplatz 3
D-96045 Bamberg
Tel: 0951/863-2066
Fax: 0951/863-5061
Email: kristine.blatter[at]uni-bamberg.de