BiSpra - Teilprojekt Psychologie / psychologisch-pädagogische Diagnostik

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Bildungssprachliche Kompetenzen:  Anforderungen, Sprachverarbeitung und Diagnostik (Verbundvorhaben)

Leitung: Prof. Dr. Sabine Weinert, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Im Verbund mit Prof. Dr. Angelika Redder (Universität Hamburg, Linguistik) und Prof. Dr. Petra Stanat (HU Berlin, Erziehungswissenschaften)

Laufzeit: 1.7.2009 - 31.12.2012

Eine erfolgreiche Schullaufbahn hängt von diversen Faktoren ab. Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe am schulischen Unterricht stellt die Beherrschung der sogenannten „Bildungssprache“ dar. Unter diesem Begriff wird der für den schulischen Unterricht charakteristische Sprachgebrauch verstanden.

Bildungssprache zeichnet sich im Vergleich zur Alltagssprache z. B. durch eine komplexere Grammatik, einen anspruchsvolleren Wortschatz und eine geringere situative Einbettung aus. Es wird angenommen, dass insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsfernen Familien Probleme haben, eine derart akademisch und schriftsprachlich geprägte Sprache zu verstehen (Berendes, Dragon, Weinert, Heppt & Stanat, 2013). 

Bislang weitgehend ungeklärt ist, welche Aspekte der Bildungssprache den Kindern besondere Schwierigkeiten bereiten. Um dieser Frage nachzugehen, wurde in Kooperation mit der Freien Universität Berlin (Leitung: Prof. Dr. Petra Stanat) und der Universität Hamburg (Leitung: Prof. Dr. Angelika Redder) in der ersten Projektphase des BMBF-geförderten Verbundprojektes „Bildungssprachliche Kompetenzen“ (BiSpra) mittels quasi-experimenteller und experimenteller Versuchsdesigns analysiert, welche Merkmale der Bildungssprache für Grundschulkinder mit unterschiedlichem familiären Hintergrund mit Schwierigkeiten behaftet sind (vgl. Heppt, Dragon, Berendes, Stanat & Weinert, 2012).

In diesem Zusammenhang wurde untersucht, inwieweit sich Leistungsunterschiede zwischen unterschiedlichen Gruppen (bildungsferner – bildungsnaher Hintergrund; einsprachiger – mehrsprachiger Hintergrund) zeigen. Dazu wurden verschiedene, potenziell schwierigkeitsgenerierende Merkmale akademischer Sprache in kurzen Geschichten systematisch variiert und deren Auswirkungen auf das Hörverstehen der Kinder untersucht.

Die Analysen ergaben, dass die Leistungen von Kindern mit mehrsprachigem Hintergrund deutlich hinter denen der monolingual deutschsprachigen Kinder zurücklagen. Ein zusätzlicher Leistungsnachteil von Kindern mit Migrationshintergrund zeigte sich hingegen nur dann, wenn diese Kinder aus Familien mit einer vergleichsweise schlechten sozioökonomischen Ausgangslage stammen (Heppt, Stanat, Dragon, Berendes & Weinert, in Vorb.).

Zusätzlich zu den Hörverstehenstexten als integratives Sprachmaß wurden Aufgaben zum Verständnis von sogenannten Konnektoren entwickelt. Dies sind Bindewörter wie „daher“, „anschließend“ oder „dennoch“, die Sinnzusammenhänge herstellen bzw. verdeutlichen. Es zeigte sich, dass Grundschulkinder bei Urteilsaufgaben insbesondere konzessive Zusammenhänge (z. B. „dennoch“) fehlinterpretieren, da sie hier entsprechend ihres Weltwissens urteilen und dabei die in den Aufgaben enthaltenen Konnektoren missachten (Dragon, Berendes, Weinert, Heppt & Stanat, in Vorb.).

Basierend auf diesen Erkenntnissen wurde daher im Hinblick auf die zweite Projektphase an einem Lückensatz-Format zur Konnektorenerfassung gearbeitet. Zudem wurden erste Anstrengungen unternommen, Aufgaben zum bildungssprachen Wortschatz zu entwickeln.

 


Literatur:

 Berendes, K., Dragon, N., Weinert, S., Heppt, B. & Stanat, P. (2013). Hürde Bildungssprache? Eine Annäherung an das Konzept „Bildungssprache“ unter Einbezug aktueller empirischer Forschungsergebnisse. In A. Redder & S. Weinert (Hrsg.), Sprachförderung und Sprachdiagnostik - interdisziplinäre Perspektiven. Münster: Waxmann, 17-41

Heppt, B., Dragon, N., Berendes, K., Stanat, P. & Weinert, S. (2012). Beherrschung von Bildungssprache bei Kindern im Grundschulalter. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 3, 349-356. Link: http://www.budrich-journals.de/index.php/diskurs/article/view/9177/7915

Heppt, B., Stanat, P., Dragon, N., Berendes, K. & Weinert, S. (in Vorb.). Einfluss der Bildungssprache auf das Hörverstehen bei Kindern mit deutscher und nicht-deutscher Familiensprache.

Dragon, N., Berendes, K., Weinert, S., Heppt, B. & Stanat, P. (in Vorb.). Ignorieren Grundschulkinder Konnektoren? – Untersuchung einer bildungssprachlichen Komponente im Grundschulalter (Arbeitstitel).


Am psychologischen Teilprojekt (Bamberg) beteiligte Forscher/-innen:

Prof. Dr. Sabine Weinert

Dr. Karin Berendes

Dipl.-Psych. Nina Dragon