Herbstschule 2013

FiSS-Herbstschule 2013 in Mannheim

Mannheim, 12.-13. Dezember 2013

Universität Mannheim, Schloss, Ehrenhof Ost, 1.OG, Raum EO 157

Programm

Mittwoch, 11.12.2013 
14–18 Uhr Vernetzungstreffen der Projekte  
Donnerstag, 12.12.2013, Mannheim Schloss
10.30 Uhr   Anreise
10.45 Uhr Begrüßung

Prof. Dr. Angelika Redder (FiSS-Koordinatorin, 
Universität Hamburg)
11 Uhr Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Mannheim): 
„Sprachkontakt online: Was uns mehrsprachige 
Performanz über bilinguale Kompetenzen verrät
13 Uhr Mittagessen
14 Uhr Dr. Holger Hopp (Mannheim):
„Mehrsprachig sehen – Was die Augen uns über
bilinguale Sprecher verraten“
15.30 Uhr Kaffeepause 
16.00 Uhr Praktiker-Workshop
Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Leitung):
(erweiterter Teilnehmerkreis)
18.30 Uhr FiSS lädt ein zum gemeinsamen Abendessen!
Freitag, 13.12.2013, Mannheim Schloss
9.15 Uhr Präsentationen der ProjektmitarbeiterInnen
(Dissertationsvorhaben, Projektposter,
Datengewinnung und Datenanalyse)
10.30 Uhr Kaffeepause
11 Uhr Präsentationen der ProjektmitarbeiterInnen
(Dissertationsvorhaben, Projektposter,
Datengewinnung und Datenanalyse)
12.30 Uhr Mittagessen
14 Uhr Prof. Dr. Raphael Berthele (Fribourg): 
„Rezeptive Mehrsprachigkeit. Forschungsmethoden und 
Resultate von empirischen Studien zum Erschliessen
von Wörtern und Texten in mehr oder weniger
unbekannten Sprachen.“
15.30 Uhr Auswertung & Ausblick
Sabine Lambert (FiSS-Koordinierungsstelle, 
Universität Hamburg)

(Moderation)
16 Uhr  Ende der Veranstaltung
Samstag, 14.12.2013
9–12 Uhr  Vernetzungstreffen der Projekte

 

Abstracts

Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Mannheim:
Sprachkontak online:  Was uns mehrsprachige Performanz über bilinguale Kompetenzen verrät

Warum wechseln mehrsprachige Menschen, die sich mühelos in nur einer ihrer Sprachen äußern könnten, mitten in einem Redebeitrag von einer Sprache zur anderen? In der folgenden Erzählung berichtet eine vierundachtzigjährige Deutschamerikanerin, die im Alter von 19 Jahren in die USA auswanderte, von einer Unterhaltung mit ihrem Hausarzt, ebenfalls ein Emigrant. Wörter, deren Herkunft als englisch oder deutsch nicht entscheidbar ist, wurden hier zweimal aufgeführt (mei/my; Doktor/Doctor)und unterstrichen. Satzzeichen wurden als Lesehilfe hinzugefügt.

… Und dann hot mei/my Doktor/Doctor, der war von Hamburg, Doktor/DoctorL., he was nice and I liked him very much, der hot zu mir gsogt, Toni, du hast a deutsche Figur. Na sog i, ja und wie is die? No hot er gsogt, wenn der Kaiser zu Pferd war, hot er groß ausgschaugt und wenn er runterkomme is vom Pferd, dann war nix mehr von eam da, because he had short legs, like me, you know, a long torso and very short legs.

Wie wir sehen können, wechselt die Sprecherin zwischen bairisch gefärbten deutschen und englischen Sätzen. Überdeckt sie damit lediglich lexikalische oder strukturelle Lücken? Wie gut ist sie in der Lage, ihre Sprachwahl zu kontrollieren? In meinem Beitrag geht es um die Frage, was uns Mischäußerungen über Koaktivierung und „Koproduktion“, d.h. über die simultane Realisierung von Strukturen und von lexikalischen Ressourcen unterschiedlicher Sprachen und über Formen und Funktionen gemischter Äußerungen sowie das Monitoring von SprecherInnen und individuelle Mischprofile verraten. Die diskutierten Daten stammen aus einem DFG-Projekt, das über einen Zeitraum von sechs Jahren die mündliche – und in einigen Fällen auch schriftliche – Sprachverwendung einer Gruppe deutscher AuswanderInnen in den USA untersucht hat.

Dr. Holger Hopp, Mannheim:
 
„Mehrsprachig sehen – Was die Augen uns über bilinguale Sprecher verraten“

In dem Slot sollen neuere Forschungsergebnisse aus psycholinguistischen Studien zur Mehrsprachigkeit mittels Blickbewegungsmessungen (Eyetracking) vorgestellt werden. Dabei geht es um die Klärung zweier zentraler Fragen: 1) (Wie) interagieren mehrere Sprachen beim Sprachverständnis, selbst wenn nur eine Sprache gesprochen wird? 2) Welche Schwierigkeiten haben mehrsprachige Lerner beim Erwerb des Deutschen und worin sind diese Schwierigkeiten begründet? 
Die Ergebnisse zeigen Interdependenzen zwischen Sprachen und sprachlichen Subsystemen, die als Wesensmerkmal mehrsprachiger Kompetenz verstanden werden sollen.

Prof. Dr. Raphael Berthele, Fribourg:
„Rezeptive Mehrsprachigkeit. Forschungsmethoden und Resultate von empirischen Studien zum Erschliessen von Wörtern und Texten in mehr oder weniger unbekannten Sprachen“

Im Workshop werde ich als Einstieg an Hand von konkreten Übungsbeispielen zeigen, wie mehrsprachige Personen Texte und Wörter in gänzlich unbekannten oder wenig beherrschten Sprachen zu erschliessen versuchen. Ausgehend von diesem praktischen Einstieg zeige ich mögliche Methoden auf, mit denen Daten zu inter-lingualen Erschliessungsprozessen gesammelt werden können. Vor- und Nachteile von mehr oder weniger kontrollierten Datensammlungspraktiken werden beschrieben. Verschiedene Methoden der Datenexploration und der Inferenzstatistik sowie einige ausgewählte Resultate werden präsentiert und diskutiert.