Frühjahrstagung 2015

"sprache_n@bildung.de"

7. - 8. Mai 2015 in Hamburg-Blankenese

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Die FiSS-Koordinierungsstelle Hamburg lädt zur 3. Internationalen FiSS-Frühjahrstagung vom 7. bis 8. Mai 2015 in Hamburg-Blankenese ein.

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Zu den Abstracts der Vorträge

Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Aktanten aus Bildungsverwaltung und Bildungsinstitutionen, Lehreraus- und -fortbildung, Praktikerinnen und Praktiker.

Nach sechsjähriger Laufzeit wird die "Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung" Anfang 2016 beendet. Zeit und Raum, die Ergebnisse der intensiven Forschungszusammenarbeit in FiSS zu präsentieren und zu resümieren: Wie werden die in FiSS entwickelten Verfahren und Instrumentarien in die Praxis gebracht? Welche Impulse wurden durch FiSS gesetzt, welche Entwicklungen angestoßen? Wie hat sich die Sprachförderlandschaft in Wissenschaft und Praxis seit 2009 verändert?

Zeit und Raum auch, um den Blick nach vorne zu öffnen: Wie formulieren sich die Forschungsfragen heute, wie morgen? Wo ist noch Grundlagenwissen zu erarbeiten, wie sind Implementierung und Transfer zu modellieren? Wie positioniert sich die sprachbezogene Forschung in der durch das BMBF-Rahmenprogramm geförderten Empirischen Bildungsforschung? Wie können die Problemlagen, mit denen sich Bildungspolitik und Bildungspraxis nach wie vor konfrontiert sehen, forschend und die Praxis begleitend in Zukunft angegangen werden? Zwei Vorträge, aus sprachwissenschaftlicher die FiSS-Koordinatorin Prof. Dr. Angelika Redder (Universität Hamburg), aus Sicht der Psychologie Prof. Dr. Sabine Weinert (Universität Bamberg), werden sich diesen Fragen widmen.

Wie kann die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis der Bildungsinstitutionen weitervermittelt werden, wie in die LehrerInnen- und ErzieherInnenqualifizierung? Hier setzen insbesondere zwei in die Tagung integrierte Workshops an, in denen die FiSS-Projekte - unterstützt durch internationale Gastdiskutanten - ihre Ergebnisse präsentieren und diskutieren:

  • Workshop 1 bietet unter der Themenstellung "Was müssen Fachkräfte und Eltern wissen und tun, um die Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen effektiv zu fördern"?, Einblicke in die Projektergebnisse von SprachKoPF (Prof. Dr. Rosemarie Tracy und Dr. Dieter Thoma, Mannheim), Phono II (Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Universität Würzburg; Prof. Dr. Petra Stanat, IQB/HU Berlin; Prof. Dr. Cordula Artelt, Universität Bamberg), Teilkomponenten der Schreibkompetenz (Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Universität zu Köln; Prof. Dr. Joachim Grabowski, Universität Hannover) und FUnDuS II (Prof. Dr. Uta Quasthoff, Universität Dortmund; Prof. Dr. Elke Wild, Universität Bielefeld). Als internationaler Gastdiskutant wird Prof. Dr. Charles Berg aus Luxemburg an dem Workshop teilnehmen.
  • Workshop 2 präsentiert und diskutiert unter dem Thema "Aufgaben- und Testformate: Best Practices" Ergebnisse aus den FiSS-Projekten Dialogisches Lesen (Prof. Dr. Marco Ennemoser, Universität Gießen), SPRABILON-R (Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin und Prof. Dr. Knut Schwippert, Universität Hamburg), ProDi (Prof. Dr. Tobias Richter, Universität Kassel; Prof. Dr. Johannes Naumann, Universität Frankfurt/DIPF), BeFo II (Prof. Dr. Petra Stanat und Dr. Anja Felbrich, IQB/HU Berlin) und BiSpra II (Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bamberg; Prof. Dr. Petra Stanat, IQB/HU Berlin; unter Mitwirkung von Prof. Dr. Angelika Redder, Universität Hamburg). Internatinale Gastdiskutanten sind Prof. Dr. Sonja Kuri, Università degli Studi di Udine, Italien, und Dipl.Psych. Tatjana Taraszow von NEPS, Berlin.

Gerahmt wird der erste Veranstaltungstag von einem öffentlichen Abendvortrag: Prof. Carsten Röver von der School of Languages and Linguistics der University of Melbourne entwickelt einen Blick auf die soziopragmatische Dimension der Sprachdiagnostik, die Fragen von Integration und Chancenverteilung in mehrkulturellen Gesellschaften zentral in Forschungsformate und bildungspolitische Entscheidungen legitimierende Instrumentarien einbindet. Insbesondere die Schwierigkeiten, diskursive Qualifikationen unter standardisierten Testsituationen zu bewerten, stellen eine der aktuell zu bearbeitenden Herausforderungen an die (fremdsprachen-) didaktische Sprachdiagnostik dar.

Den Übergang von FiSS zu KomBi, dem Forschungsschwerpunkt des BMBF zur Mehrsprachigkeit, wird Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin (Universität Hamburg) in ihrem Vortrag zum Ausgangspunkt nehmen, um - 20 Jahre nach dessen Konstatierung - den "monolingualen Habitus" der deutschen Schule erneut auf den Prüfstand zu stellen. Wie sieht es um die Integration der vielen Sprachen in die Schule heute aus? Welche Möglichkeiten haben die Kinder, ihre Sprachen als Ressourcen zu entwickeln? Dabei zeichnet sie die Entwicklungen von "FiSS" zu "KoMBi", von Sprachdiagnostik über Sprachbildung hin zur Mehrsprachigkeitsforschung, nach.

Fragen der Implementierung und des Transfers der Forschungsergebnisse in die Qualifizierung werden auch im Mittelpunkt eines international besetzten Podiums stehen, zu dem neben Vertretern der Politik und des BMBF Fachkollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen sind, die wichtige Impulse in der Lehrerbildung und der Qualität von sprachlicher Bildung gesetzt haben. Teilnehmende Diskutanten sind: Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Universität Göttingen und Gesamtprojektleiterin des Projekts "Umbrüche gestalten" der neun lehramtsausbildenden Hochschulen in Niedersachsen; Prof. Dr. Urs Moser, Institut für Bildungsevaluation an der Universität Zürich; Dr. Barbara Herzog-Punzenberger, Leiterin des Arbeitsbereichs Migration & Bildung am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich; Prof. Dr. Elke Wild, Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Bielefeld und mit dem FiSS-Projekt FUnDuS im Bereich der Elternbildung und -beratung engagiert; OSR Heinz Grasmück, Referatsleiter für Unterrichtsentwicklung Deutsch, Künste und Fremdsprachen in der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg; Dr. Wendelin Sroka aus dem Referat "Empirische Bildungsforschung" des BMBF. Das Gespräch wird moderiert von der FiSS-Koordinatorin Prof. Dr. Angelika Redder (Universität Hamburg).

Aus ihren Projektzusammenhängen in Österreich, der Türkei und anderen sogenannten Herkunftsländern wird Prof. Dr. Katharina Brizic (University of California, Berkeley/Universität Freiburg i.Br.) die Frage der Mehrsprachigkeit sprachsoziologisch vertiefen. Sind Kinder nur dann erfolgreich, wenn sie in ihrer Bildung auf ihre eigenen Sprachen verzichten? Welche Sensibilität, welche Mittel benötigen die Schulen, die LehrerInnen und ErzieherInnen, was benötigen die Kinder selber, damit sie die Chancen, die mit den vielen Sprachen einhergehen, auch umsetzen und nutzen können? In einer "soziolinguistischen Studie zu Bildung und Ungleichheit" geht sie den Strategien und den Stimmen derjenigen nach, die in mehrsprachigen Gesellschaften auf der Seite derjenigen stehen, die für die Erreichung ihrer Bildungsziele nicht auf eine muttersprachliche Kompetenz in der Mehrheitssprache der Gesellschaft zurückgreifen können.

Zum Abschluss der Tagung - und zum Abschluss von FiSS - kommen noch einmal die FiSS-Projekte selber zu Wort: In einem von der Wissenschaftsjournalistin Dr. Daniela Remus (ARD/NDR, Hamburg) moderierten Abschlussgespräch wollen wir die Ergebnisse aus den Workshops des Vortages in ein allgemeines Resümee einfließen lassen, das die Tagung, die Forschungs-Perspektiven und die Chancen und Möglichkeiten einer Umsetzung der FiSS-Ergebnisse in die Breite in den Blick nimmt.

 

Hier können Sie die Hotelliste als pdf downloaden.

Hier können Sie das Programm als pdf downloaden.

 

Tagungsprogramm 

  Donnerstag, 07.05.2015
12:00 Anreise und Anmeldung
12:30 Mittagessen
13:30 Eröffnung der Tagung
14:00 Prof. Dr. Angelika Redder, FiSS-Koordinatorin, Universität Hamburg 
"Wissenschaftlich verantwortbare Sprachenbildung - Versuch einer Bilanz"
14:45 Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bamberg 
"Warum Sprachförderung und Sprachdiagnostik so wichtig sind: Zur Bedeutung von Sprache für die kindliche Entwicklung" 
15:30 Pause
16:00 bis
18:00
parallel: 
FiSS-Workshop 1 : "Was müssen Fachkräfte und Eltern wissen und tun, um die Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen effektiv zu fördern?"

Beteiligte Projekte:
- SprachKoPF (Prof. Dr. Rosemarie Tracy und Dr. Dieter Thoma, Universität Mannheim); - Phono II (Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Universität Würzburg; Prof. Dr. Petra Stanat, IQB/HU Berlin; Prof. Dr. Cordula Artelt, Universität Bamberg); - Teilkomponenten der Schreibkompetenz (Prof. Dr. Michael Becker-Mroztek, Universität zu Köln; Prof. Dr. Joachim Grabowski, Universität Hannover); - FUnDuS II (Prof. Dr. Uta Quasthoff, Universität Dortmund; Prof. Dr. Elke Wild, Universität Bielefeld)

Gastdiskutant: Prof. Dr. Charles Berg, Luxemburg 

Der Workshop wird durchgeführt unter aktiver Beteiligung der Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Projekte.

FiSS-Workshop 2 : "Aufgaben- und Testformate: Best Practices"

Beteiligte Projekte: 
- Dialogisches Lesen (Prof. Dr. Marco Ennemoser, Universität Gießen); - SPRABILON-R (Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin und Prof. Dr. Knut Schwippert, Universität Hamburg); - ProDi (Prof. Dr. Tobias Richter, Universität Kassel; Prof. Dr. Johannes Naumann, Universität Frankfurt/DIPF); - BeFo II (Prof. Dr. Petra Stanat, Dr. Anja Felbrich); - BiSpra II (Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bambert; Prof. Dr. Petra Stanat, IQB/HU Berlin; unter Mitwirkung von Prof. Dr. Angelika Redder, Universität Hamburg)

Gastdiskutantinnen: Prof. Dr. Sonja Kuri, Università degli Studi di Udine, Italien, und Dipl.Psych. Tatjana Taraszo, NEPS, Berlin

Der Workshop wird durchgeführt unter aktiver Beteiligung der Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Projekte.
18:30 Abendessen
20:00 Öffentlicher Abendvortrag: 
Prof. Carsten Röver Ph.D., University of Melbourne
"Diagnose pragmatischer Fähigkeiten - Vorschläge aus einer multilingualen englischsprachigen Welt"
   
  Freitag, 08.05.2015
09:30 Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin, Universität Hamburg 
"Sprachdiagnostik - Sprachbildung - Mehrsprachigkeit"
10:15 Pause
10:45

 

Podium: „Sprachliche Bildung und Qualifizierung - Diskussion zu Implementierung und Transfer“

TeilnehmerInnen: Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Universität Göttingen, "Umbrüche gestalten", Niedersachsen; Prof. Dr. Urs Moser, Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich; Dr. Barbara Herzog-Punzenberger, Universität Linz; Prof. Dr. Elke Wild, Universität Bielefeld; OSR Heinz Grasmück, Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg; Dr. Wendelin Sroka, BMBF, Bonn/Berlin

Moderation: Prof. Dr. Angelika Redder, FiSS-Koordinatorin, Universität Hamburg
 11:45 Prof. Dr. Katharina Brizic, University of California, Berkeley / Universität Freiburg i.Br. 
 "Die Ökonomie der Sprachen und die unnütze Fülle des Lebens. Eine soziolinguistische Studie zu Bildung und Ungleichheit"
 12:30 "... und was schließen wir daraus? FiSS - Ergebnisse & Perspektiven"
Leitung: Dr. Daniela Remus, Wissenschaftsjournalistin, Hamburg
 13:00 Mittagessen und Ausklang 


 


Abstracts zu den Vorträgen

Prof. Dr. Angelika Redder, zusammen mit Sabine Weinert Initiatorin von FiSS, Koordinatorin von FiSS I und FiSS II, Universität Hamburg

Wissenschaftlich verantwortbare Sprachenbildung - Versuch einer Bilanz

Donnerstag, 07.05., 14:00 Uhr

Die angewandt orientierten und interdisziplinär gewonnenen Forschungsergebnisse aus beiden Förderphasen, FiSS I und FiSS II, werden daraufhin befragt, was wissenschaftlich verantwortbar ist an Sprachdiagnostik und Sprachförderung, was ,Sprachenbildung' bedeutet und welche kooperativen Anstrengungen des weiteren zu unternehmen wären.

Im Unterschied zur Positionierung der FiSS-Ergebnisse in der Forschungslandschaft (demn. in: Redder, Naumann & Tracy) soll die Bilanzierung aus dem Blickwinkel der Ziele und Erwartungen der FiSS-Förderbekanntmachung 2008 erfolgen und perspektivisch fragen, welche konzertierten Forschungen sich auf der nunmehr gewonnenen Basis als möglich und zugleich erforderlich abzeichnen. So sollen die Ergebnisse auf einen programmatischen Fluchtpunkt hin betrachtet und zu laufenden Großforschungen in Relation gesetzt werden.

Literatur:

Redder, A. & Weinert, S. (Hg.) (2013). Sprachförderung und Sprachdiagnostik - Interdisziplinäre Perspektiven. Münster: Waxmann.

Redder, A., Naumann, J. & Tracy, R. (2015). Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung (FiSS) - Ergebnisse. Münster: Waxmann (in Vorb.)


Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bamberg, Mitinitiatorin sowie Co-Koordinatorin von FiSS I

Warum Sprachförderung und Sprachdiagnostik so wichtig sind: Zur Bedeutung von Sprache für die kindliche Entwicklung

Donnerstag, 07.05., 14:45 Uhr

Sprache und der Erwerb sprachlicher Kompetenzen sind von großer Bedeutung für die kindliche Entwicklung, Bildung und Bildungslaufbahn. Bereits im Alter von nur drei Jahren lassen sich - entgegen manch älterer Spracherwerbstheorie - deutliche Unterschiede im Sprachstand von Kindern im Zusammenhang mit ihrem bildungsbezogenen und sozioökonomischen familiären Hintergrund nachweisen. Diese zeigen sich insbesondere bei anspruchsvolleren Sprachfähigkeiten - mit weitreichenden Effekten auf andere schulrelevante Entwicklungsbereiche. Im ersten Teil des Vortrags wird zunächst theoretisch und empirisch basiert - exemplarisch - über entsprechende Befunde berichtet. Im zweiten Teil des Beitrags wird gefragt, warum die Forschung zu Sprachförderung und Sprachdiagnostik so wichtig ist. Ausgehend von empirischen Befunden wird auf einige Forschungsdesiderate zur Sprachförderung in Familie und Bildungsinstitutionen und auf Fragen der Bedeutung und Entwicklung geeigneter Messinstrumente eingegangen.

Literatur:

Weinert, S. (2014). Entwicklung im Kindesalter - alte Fragen, neue Perspektiven. In: P. Cloos, K. Koch & C. Mähler (Hg.), Entwicklung und Förderung in der frühen Kindheit. Interdisziplinäre Perspektiven. Weinheim: Beltz, S. 24-42.

Weinert, S. & Ebert, S. (2013). Spracherwerb im Vorschulalter: Soziale Disparitäten und Einflussvariablen auf den Grammatikerwerb. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 16, S. 303-332.

Ebert, S., Lockl, K. Weinert, S., Anders, Y., Kluczniok, K. & Roßbach, H.-g. (2013). Internal and external influences on vocabulary development in preschool age. School Effectiveness and School Improvement, 24, pp. 138-154.


Prof. Carsten Röver, Ph.D., University of Melbourne

Diagnose pragmatischer Fähigkeiten - Vorschläge aus einer multilingualen englischsprachigen Welt

Donnerstag, 07.05., 20:00 Uhr

Das Testen pragmatischer Fähigkeiten im Zweitspracherwerb ist ein aufstrebender, aber noch unterentwickelter Bereich der Sprachdiagnostik. Die meisten großangelegten Testbatterien berücksichtigen pragmatische und diskursive Kompetenzen nur sehr begrenzt oder nicht explizit in ihren Bewertungsstandards. Speziell entwickelte Testinstrumente für Zweitsprachenpragmatik existieren erst seit 20 Jahren, als Hudson, Detmer und Browns (1995) Projekt die erste Testbatterie basierend auf Sprechakten entwickelten. Dieses noch eingeschränkte Konstrukt wurde erweitert durch Studien, die auch andere Aspekte der Pragmatik mit einbezogen, wie Implikatur und Routineformeln (Roever 2005; Taguchi 2008). In den letzten Jahren ist auch zunehmend Forschung erschienen, die Diskursfähigkeiten diagnostizierte, primär in der gesprochenen Sprache (Grabowski 2009; Youn 2013, 2015), aber auch in emails (Haider 2014). Das zunehmende Interesse an Sprachdiagnostik für pragmatische und diskursive Fähigkeiten ist eine positive Entwicklung, aber befindet sich noch in einer frühen Phase und stellt erhebliche Herausforderungen. Insbesondere die Diagnostik diskursiver Fähigkeit ist schwierig auf praktische Weise zu erreichen und die Standardisierung von Testsituationen sowie der gemeinsame Aufau von Dialogen (co-construction of talk) komplizieren die Bewertung von Lernerleistungen. Weiterhin sind die Entwicklungsschritte von diskursiver Kompetenz noch unterdefiniert.

In diesem Vortrag werden ich einen Überblick über den Forschungsstand im Bereich der pragmatischen und diskursiven Sprachdiagnostik geben sowie neuere Forschungserkenntnisse vorstellen, die zu Fortschritten in der Diagnostik und Förderung beitragen können.

Literatur:

Hudson, T., Detmer, E. & Brown, J.D. (1995). Developing prototypic measures of cross-cultural pragmatics. Honolulu, HI, Second Language Teaching & Curriculum Center, University of Hawai'i Press.

Youn, S.J. (2015). Validity argument for assessing L2 pragmatics in interaction using mixed methods. Language Testing, 32, pp. 199-225.

Grawbowski, K. C. (2009). Investigating the construct validity of a test designed to measure grammatical and pragmatic knowledge in the context of speaking. Unpublished doctoral dissertation, Teachers’ College, Columbia University, NY, USA.


Katharina Brizić, UC Berkeley/Universität Freiburg i.Br.

Die Ökonomie der Sprachen und die unnütze Fülle des Lebens. Eine soziolinguistische Studie zu Bildung und Ungleichheit

Freitag, 08.05., 11:45 Uhr

Gern wird gefragt, inwiefern Sprachigkeit, mehr noch: ob Mehrsprachigkeit der Bildung nützt, bevor überhaupt klar ist, ob - so wie sie jetzt ist - Bildung dem Sprechen nützt, soll heißen: dem Erheben der eigenen Stimme.

Was ich für diesen Vortrag mit dem Erheben der Stimme meine, ist zum Beispiel das Ergreifen von Strategien seitens individueller Menschen, um ihr Leben (oder das der ihnen anvertrauten Kinder) zu dem zu machen, was sie als ein erfolgreiches Leben betrachten (und ich wähle hier den Aspekt der Bildung natürlich nur als einen von vielen möglichen Aspekten dessen, was Menschen unter einem ,glücklichen' Leben verstehen mögen).

Das Erheben der Stimme kann eine subversive Schattierung bekommen, wenn Individuen ihren (Bildungs-)Erfolg nicht unterstützt von ihrer Institution, sondern gegen diese durchzusetzen gezwungen sind - egal ob die Institution eine Bildungsinstitution ist oder irgendeine andere Interaktionsgemeinschaft, die ihren Individuen gezielt oder ungewollt Grenzen des Erfolgs setzt. Mich interessiert, welche Situationen der Machtlosigkeit Individuen in Institutionen benennen, welche Strategien sie dagegen einsetzen und wie sie für diese Strategien im Kontext ihrer persönlichen Biographie argumentieren. Lehrkräfte im österreichischen Grundschulsystem sind dabei ebenso in meinem Fokus wie Eltern, Schuldirektionen oder Beratungsstellen, aber auch die Grundschulkinder selbst. Entsprechend der Selbstverständlichkeit von Diversität in Postmigrationsgesellschaften ist der rote Faden für meinen Vortrag: Multilingualismus, schulische und familiäre Sprachenpolitik, Lehr- und Lernbiographie und die Suche nach Erfolg.

Ausgehend von den Stimmen, die sich hier Gehör verschaffen, wird abschließend diskutiert werden, welche Bedeutung diese Stimmen für Bildungsinstitutionen haben können, sollen oder müssen, und welche institutionellen Sensibilitäten vielleicht am dringendsten gebraucht würden.

Literatur:

Blommaert, J. & Rampton, B. (2011): Language and Superdiversity. in: Diversities, Vol 13 (2), pp. 1-21.

De Fina, A. & Georgakopoulou, A. (2012). Analyzing narrative. CUP.

Lanza, E. (2012). Empowering a migrant identity: Agency in narratives of a work experience in Norway. In: Sociolinguistic Studies. Special issue "Agency and Power in Multilingual Practices", Vol. 6 (2), pp. 285-307.