Frühjahrstagung 2014

FiSS-Frühjahrstagung 2014 in Dortmund

„Sprachförderung in Familie und Schule“

ausgerichtet und organisiert in Zusammenarbeit von FiSS-Koordinierungsstelle Hamburg
und dem FiSS-Projekt FUnDuS Dortmund, Prof. Dr. Uta Quasthoff

Ort: Internationales Begegnungszentrum (IBZ) der TU Dortmund, Emil-Figge-Str. 59, 44227 Dortmund

Zeit: 3.-4. April 2014

Anmeldung zur Tagung: sabine.lambert[at]uni-hamburg.de

Anmeldung zum Praktiker-Workshop: mareike.garrecht[at]tu-dortmund.de

Hier können Sie den Tagungsflyer aufrufen:
Flyer FiSS-Frühjahrstagung 2014

Programm

Donnerstag, 03.04.2014
ab 12.30 Anreise der Workshopteilnehmer
mit kleinem Mittagsimbiss
13.30 FUnDuS & Interpass:
Praktiker-Workshop: Neue Konzepte zur impliziten Sprachför­derung innerhalb und außerhalb der Schule: Experten aus Familie – Unterricht – Wissenschaft im Gespräch
15.30  Kaffee für Workshopteilnehmer und anreisende FiSS-Mitglieder
16-19 FiSS-Mitgliederversammlung (geschlossener Teilnehmerkreis)
20.00 Gemeinsames Abendessen (für FiSS-Mitglieder)
Freitag, 04.04.2014
9.00 Angelika Redder (FiSS, Univ. Hamburg) & Uta Quasthoff (FUnDuS, TU Dortmund)
Begrüßung der Teilnehmer
9.15 Uta Quasthoff (TU Dortmund) & Elke Wild (Univ. Bielefeld)
„Nie erlaubst du mir was!“ Eltern-Kind-Gespräche als Erwerbskontext für sprachliche Schlüsselkompetenzen im Jugendalter 
10.15 Kaffeepause
10.45 Christiane Bainski (LaKI, NRW)
Perspektiven für integrative Sprachförderung
11.45 Marco Ennomoser (Univ. Gießen)
Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Interventionen zur Sprachförderung 
12.45 Mittagessen
14.00 Susanne Prediger (Univ. Dortmund)
Welche Sprachmittel sollen wir fördern - im Fachunterricht? Forschungszugänge zur gegenstandsbezogenen Spezifizierung relevanter sprachlicher Mittel
15.00 Kaffeepause
15.30 Mirko Mainini (Ministère de l'Éducation nationale, Luxembourg)
Leseförderung - Verbesserung der Unterrichtspraxis durch wissenschaftlich fundierte Lehrerfortbildung und institutionelle Vernetzung
16.30 „Im Kreuzfeuer“:
Wilfried Bos (IfS, TU Dortmund) & Angelika Redder (FiSS, Univ. Hamburg)
Internationale Großstudien - und die komplexe Realität vor Ort
17.15 Abschluss der Tagung

 

Abstracts

Uta Quasthoff (TU Dortmund) & Elke Wild (Univ. Bielefeld):
„Nie erlaubst du mir was!“ Eltern-Kind-Gespräche als Erwerbskontext für sprachliche Schlüsselkompetenzen im Jugendalter

Ausgehend von dem Forschungs- und Erklärungsbedarf, der nach den Ergebnissen der großen internationalen Vergleichsstudien im Hinblick auf Bildungsbenachteiligungen entstanden ist, wendet sich der Vortrag einem bislang eher wenig beachteten Themenkomplex zu: Den Sprachfördermöglichkeiten in Familien mit Kindern im Sekundarstufenalter. Exemplarisch beziehen wir uns dabei auf die mündliche und schriftliche Argumentationskompetenz als Schlüsselqualifikation, deren Weiterentwicklung von Klasse 5 bis 9 nachgezeichnet wird.  Wir zeigen anhand unserer empirischen Ergebnisse, welche familialen Interaktionsstile mit einer höheren Argumentationskompetenz  einhergehen und inwiefern diese in Familien mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status vorkommen. Unter den Gesichtspunkten der Förderung stellen wir in unserem Vortrag ein gemeinsam von Sprachwissenschaftlern und Psychologen konzipiertes, auf den interdisziplinär gewonnenen Erkenntnissen aufbauendes Training für Eltern mit Fünftklässlern vor. Es zielt auf die Unterstützung von Familien als bedeutsamen Spracherwerbskontexten und wird derzeit, nach sorgfältiger Pilotierung, evaluiert. Im Vortrag können daher erste Beobachtungen berichtet werden.

Christiane Bainski (Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI), NRW):
Perspektiven für integrative Sprachförderung

Mehrsprachigkeit wird in der deutschen Gesellschaft und damit auch im deutschen Bildungssystem immer mehr zur Normalität. Kinder und Jugendliche, die mit mehreren Sprachen in ihren verschiedenen lebensweltlichen Kontexten aufwachsen, brauchen andere Inputs durch das Bildungssystem, um erfolgreich die deutsche Sprache – insbesondere die Bildungssprache – zu erwerben und damit auch eine erfolgreiche Bildungsbiografie zu gestalten. Im Vortrag wird auf Mehrsprachigkeit eingegangen und diese auch in ihrem Aspekt als Ressource dargestellt sowie auf die Herausforderungen für das deutsche Bildungssystem eingegangen, sich vom monolingualen Habitus zu verabschieden und eine umfassende sprachliche Bildung und Förderung entlang der biografischen Bildungskette von der frühen Kindheit bis in die berufliche/universitäre Bildung hinein zu entwickeln, die die Mehrsprachigkeit als Normalität und als Ressource für den Lernprozess aller Kinder und Jugendlichen einbindet.

Marco Ennemoser (Gießen):
Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Interventionen zur Sprachförderung

In den letzten Jahren wurden die Bemühungen um eine systematische Sprachförderung im Kindergartenalter deutlich intensiviert. Über die Wirksamkeit der vielen verschiedenen Förderkonzepte, die inzwischen im gesamten Bundesgebiet zum Einsatz kommen, ist jedoch überraschend wenig bekannt  (für einen Überblick siehe Lisker, 2011). Eine Reihe von Studien, in denen die Einführung diverser Sprachförderkonzepte in den Kindergartenalltag wissenschaftlich begleitet wurde, kommt übereinstimmend zu ernüchternden Ergebnissen. Über mögliche Gründe für die ausbleibenden Fördererfolge wird viel spekuliert, eindeutige Schlussfolgerungen lassen sich jedoch aus den bisherigen Untersuchungen nicht ableiten. Ein Problem ist darin zu sehen, dass häufig „Programmpakete“ zum Einsatz kommen, so dass unklar bleibt, welche Bestandteile möglicherweise doch förderlich sein könnten und welche nicht. Im Rahmen des Vortrags werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, in der bewusst auf den Einsatz eines Programmpakets verzichtet wurde. Stattdessen wurde der Fokus auf die konsequente Anwendung grundlegender Sprachlehrstrategien im Sinne des so genannten „dialogischen Lesens“ gelegt. Die Befunde zeigen, dass die Anwendung dieser Sprachlehrstrategien geeignet ist, die Sprachkompetenz von Risikokindern wirksam zu fördern. Sie machen jedoch auch deutlich, dass es nicht allen Förderkräften gelingt die dialogischen Prinzipien konsequent anzuwenden und dass die Fördererfolge maßgeblich von der Qualität der Durchführung abhängen.

Susanne Prediger (Univ. Dortmund):
Welche Sprachmittel sollen wir fördern - im Fachunterricht? Forschungszugänge zur gegenstandsbezogenen Spezifizierung relevanter sprachlicher Mittel

Omnipräsent ist die Forderung, im sprachsensiblen Fachunterricht den Aufbau bildungs- und fachsprachlicher Mittel gezielter zu unterstützen. Notwendig sind dafür jedoch genauere Spezifizierungen, welche Sprachmittel für welchen fachlichen Lerngegenstand tatsächlich benötigt werden. Der Vortrag präsentiert und systematisiert mögliche Forschungszugänge und -ergebnisse an Beispielen zum Mathematikunterricht und zeigt vielfältige, auf andere Fächer übertragbare Forschungs- und Entwicklungsdesiderate, um allgemeine Förderkonzepte fach- und gegenstandsspezifisch mit konkreter Substanz zu füllen.

Mirko Mainini (Ministère de l'Éducation nationale, de l'Enfance et de la Jeunesse, Inspection de l'Enseignement fondamental, Bureau régional Sud-Ouest, Differdange, Luxembourg):
Leseförderung - Verbesserung der Unterrichtspraxis durch wissenschaftlich fundierte Lehrerfortbildung und institutionelle Vernetzung

Die äußerst positiven Resultate einer in Luxemburg durchgeführten Untersuchung im Bereich der Leseförderung lassen sich einerseits durch eine Reihe von Elementen wie die Identifikation von bewährten Methoden in der Leseforschung und die praxisorientierte Weiterbildung der Lehrkräfte, andererseits aber auch durch das Zusammenspiel von Institutionen wie die Schule, das Unterrichtsministerium, die Universität und das Inspektorat erklären. Die Forderung nach der Vernetzung von Institutionen im Wohle der Schülerinnen und Schüler genügt jedoch nicht. Die positiven Resultate treten nur dann auf, wenn die Rollen klar verteilt sind, die Implementierung für alle Beteiligten kohärent erscheint und die Lehrerinnen und Lehrer bei jeder politischen Neuorientierung miteinbezogen werden.

 

Ihre Ansprechpartner:

FiSS-Koordinierungsstelle, Hamburg: sabine.lambert(at)uni-hamburg.de
FUnDuS, Dortmund: christian.kluger(at)tu-dortmund.de
Praktiker-Workshop: mareike.garrecht(at)tu-dortmund.de